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Die in Deutschland lebende Autorin ist seit frühester Jugend lesebegeistert. Besonders wichtig waren für sie stets die Fragen: Ist eine Geschichte spannend? Ist sie in sich logisch? Warum handelt eine Figur so und nicht anders? Dieser Anspruch kommt auch in ihrem Roman „Ovalyth” zum Ausdruck.
INTERVIEW:
„In erster Linie möchte ich unterhalten.“
ELNETZ: Sie haben einen Roman über Empathen geschrieben. Was hat Sie an diesem Thema gereizt?
DOMINIQUE CLARIER: Wir alle haben Freunde oder Bekannte, die genau spüren, in welcher Gemütsverfassung wir uns befinden. Selbst wenn wir versuchen, unsere Gefühle zu verbergen, können sie dennoch in uns lesen wie in einem Buch. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, denen man einfach nicht widerstehen kann, sobald sie ihre gute Laune versprühen. Wie durch Zauberhand scheinen sie ihre Stimmungen auf ihre Umgebung zu übertragen. Daher fällt es uns auch besonders schwer, mit ihnen zusammen zu sein, wenn sie in negativer Stimmung sind. Mein Roman beschäftigt sich mit der Frage: „Was geschieht, wenn empathische Fähigkeiten extrem verstärkt werden?” Mich interessieren die Konsequenzen, die so etwas hätte. Würde ein Empath seine Begabung einsetzen, um anderen zu helfen oder würde er die Macht, die sie ihm verleiht, ausnutzen? Wie könnte diese Macht im Zweifelsfall begrenzt werden?
ELNETZ: Hat Sie das auf die Idee gebracht, in Ihrem Roman die Empathenregeln einzuführen?
DOMINIQUE CLARIER: Ja, genauso ist es. Wenn jemand die Gefühle, die er aussendet, als Waffe einsetzen kann, muss man ein Regelwerk schaffen, das einen klaren ethischen Handlungsrahmen vorgibt.
ELNETZ: Was können Sie uns über Ihre Heldin verraten?
DOMINIQUE CLARIER: Als ihre empathischen Fähigkeiten zufällig entdeckt werden, schlittert Estella in eine Welt, die ihr vollkommen fremd ist. Anfangs will sie schnellstmöglich wieder zurück nach Hause. Als sie jedoch erkennt, wie dringend die Ovalaner auf ihre Hilfe angewiesen sind, bleibt sie. Nachdem sie diese Entscheidung einmal getroffen hat, können ihr selbst die vielen Gefahren, die sie überwinden muss, nichts mehr anhaben.
ELNETZ: Sie machen es ihrer Heldin also nicht leicht.
Der Leser will miterleben, wie die Hauptfigur an ihren Aufgaben wächst. Würde ich es ihr leicht machen, fände keine Entwicklung statt.
ELNETZ: Ihr Roman handelt jedoch nicht nur von Empathen.
DOMINIQUE CLARIER: Nein, es geht ebenso um die Ovalaner, die ursprünglich auf einer Welt weit entfernt von der Erde lebten. Vor Jahrhunderten entwickelten sie außergewöhnliche mentale Fähigkeiten. Das führte zu einer geistigen Überlegenheit gegenüber dem Rest der Bevölkerung. Daraufhin wurden sie von ihrer Regierung als Bedrohung eingestuft. Schließlich wurden sie ausgebürgert und auf der Erde zwangsangesiedelt.
ELNETZ: Die uralte Angst vor dem, was man nicht kontrollieren kann.
DOMINIQUE CLARIER: Die Angst ist ein bestimmender Faktor in unserem Leben. Das können wir nicht leugnen. Entscheidend ist jedoch, wie wir mit ihr umgehen. Lassen wir uns von ihr beherrschen oder überwinden wir sie? Opfern wir unsere Grundsätze, sobald wir uns bedroht fühlen, oder versuchen wir, auch weiterhin menschlich zu handeln? Daran lässt sich meiner Meinung nach die Entwicklungsstufe einer Gesellschaft ablesen.
ELNETZ: Wie finden die Ovalaner sich auf unserer für sie fremden Welt zurecht?
DOMINIQUE CLARIER: Die meisten von ihnen passen sich schnell der neuen Situation an. Lediglich eine kleine Gruppe will unbedingt zur Heimat zurückkehren. Hierzu muss sie einen Korridor zwischen den beiden Welten öffnen, was äußerst gefährlich ist und schlimmstenfalls zur Zerstörung beider Planeten führen kann. Dieses Risiko nimmt die Gruppe jedoch in Kauf. Der andere Teil der Ovalaner versucht mit Hilfe der Empathen, unsere Welt zu beschützen. Der Konflikt, der entsteht, ist ein weiteres zentrales Thema des Romans. Darf man seine Ziele durchsetzen, wenn man die Sicherheit und das Leben anderer gefährdet? Heiligt der Zweck die Mittel?
ELNETZ: Sie geben der Ethik viel Raum.
DOMINIQUE CLARIER: Die Ethik führt in unserer Gesellschaft seit langer Zeit ein Schattendasein. Die einzigen Dinge, die heutzutage zu zählen scheinen, sind Geld und Macht. Viele Menschen sehnen sich danach, dass ethisches Handeln wieder mehr Bedeutung erhält. Ich muss zugeben, dass ich zu ihnen gehöre. Allerdings ist es wichtig, realistisch zu bleiben. Wir alle sind Zwängen unterworfen, die es uns schwer machen, unseren Idealvorstellungen gerecht zu werden. Wir sollten uns und andere nicht überfordern.
ELNETZ: Sie heben also nicht den moralischen Zeigefinger?
DOMINIQUE CLARIER: Nein, natürlich nicht. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, meine Leser zu belehren. In erster Linie möchte ich unterhalten. Meine Helden sind aus Fleisch und Blut. Sie haben ganz normale Probleme wie jeder andere auch. Sie lachen und scherzen. Ab und an zweifeln sie an sich und der Welt. Aber im Endeffekt halten sie zusammen und kämpfen gegen das Unrecht. Wie es sich für Helden nun einmal gehört.
ELNETZ: Was hat es mit den Kochrezepten auf sich, die Sie auf der Ovalyth-Homepage veröffentlichen?
DOMINIQUE CLARIER: (lacht) Die Idee dazu hatte mein Freund. Die Hauptfiguren des Romans sind ja dem leiblichen Wohl äusserst zugetan. Insbesondere die Mandelhörnchen haben es ihnen angetan. Es vergeht kaum ein Tag, an dem sie sich an diesem köstlichen Gebäck nicht gütlich tun. Nachdem ich von einigen Lesern auf das Rezept hin angesprochen worden war, schlug mein Freund vor, es auf die Homepage zu setzen. Und dann dachte ich mir: Vielleicht interessiert es meine Leser auch, welche Speisen Estella und ihre Freunde sonst noch so geniessen. So entstand die kleine Kochecke.
ELNETZ: Vielen Dank für das Gespräch! Für die Zukunft wünschen Ihnen alles Gute! |